Was ist Liebe? Wenn die Chemie stimmt.

Liebe ist…

Diese kleinen dicken Zeichnungen kennen wir sicher alle noch. Als ich meine Mutter von diesem Beitrag erzählt habe, fiel ihr sofort der Song “Nena – Liebe ist” ein. Irgendwie süß, denn während ich den Beitrag finalisiert habe, habe ich den Song tatsächlich auch das ein oder andere Mal gehört.

Ich persönlich musste sofort an den Song “What is Love – Haddaway” denken. In meiner Instagram Story habe ich schon gefragt, ob er wohl je eine Antwort auf diese Frage bekommen hat. Vermutlich hat er das nicht – aber heute kann ich euch eine geben.

Sagen wir mal so. Ich kann euch eine geben, ob es DIE Antwort ist, wage ich ich zu bezweifeln. Was ich mit Gewissheit sagen kann, ist die Tatsache, dass nicht nur wir, sondern auch dutzende Anthropologen, Neurowissenschaftler und andere Felder sich die Frage seit Jahren stellen. Warum genau wir uns verlieben, wird wohl ein Geheimnis bleiben, doch ist der biologische Vorgang relativ simple erklärt. Aber macht es die Liebe nun schwerer oder einfacher als wir denken?

Kannst du dich noch daran erinnern, wann du das letzte Mal spontan auf jemanden getroffen bist, den du so richtig attraktiv findest? Wenn du nicht gerade eingespielter Player bist, dann wirst du vermutlich etwas flatterig in deiner Stimme gewesen sein, vielleicht waren deine Handflächen etwas schwitzig und mit großer Wahrscheinlichkeit hast du auch schon einmal etwas so dermaßen idiotisches gesagt, dass du direkt rot geworden bist. Keine Sorge, auch damit bist du nicht allein. Lass mich raten: dein Herz hat auch gepocht wie sau? Erwischt!

Und so ist es kein Wunder, dass die Menschen über Jahrhunderte davon ausgegangen sind, dass die Liebe und ähnliche Gefühle vom Herzen kommen. Doch wie sich herausgestellt hat, passiert Liebe in unserem Kopf – unserem Gehirn. (An dieser Stelle wollte ich einen fiesen Witz einbauen. Den Part überlasse ich nun aber euch.)

Es ist also wieder unser Herz, noch irgend ein spiritueller Gedanke des Schicksals, sonder unser Gehirn, dass unseren Körper verrückt spielen lässt. Und wenn wir der berühmten biologischen Anthropologin Helen Fisher glauben schenken können, dann können wir die Liebe in 3 Kategorien einteilen: Lust, Anziehung, Verbundenheit.

Jede dieser Kategorien (Phasen) lässt sich durch verschiedene Hormone erklären.

Lust: Testosteron & Östrogen

Anziehung: Dopamine, Norepinephrine & Serotonin

Verbundenheit: Oxytocin & Vasopressin

Und auch wenn in diesen Phasen Überschneidungen bestehen, ist die Hormonausschüttung in den jeweiligen Kategorien charakteristisch und bei allen Menschen gleich.

Ab ins Chemielabor der Lieb

Unsere Lust wird angetrieben durch unser Verlangen nach sexueller Bestätigung. Die evolutionäre Basis, welche auf der Notwendigkeit der Fortpflanzung aufbaut und eine Basis, welche sich alle Lebewesen teilen. Und während wir uns so fröhlich wieder und wieder reproduzieren, tauschen wir Organismen und Gene aus, um so unsere Spezies am Leben zu erhalten.

An dieser Stelle kommt der Hypothalamus ins Spiel (ist übrigens ein Teil unseres Gehirns, und keine Geschlechtskrankheit). Der Hypothalamus stimuliert unsere Hoden und die Eierstöcke und produziert so so das Testosteron bzw. Östrogen, welches vorrangig für unsere Lust verantwortlich ist. Jetzt erklärt sich auch die Aussage, dass Männer ständig mit dem Schwanz denken. Aber Hey, keine Sorge, ihr Frauen scheint dann auch mit euren Eierstöcken zu denken – fair enough. Wie uns allen geläufig ist, gilt Testosteron als “das Hormon des Mannes” und Estrogen gilt als “das Hormon der Frau”. Fälschlicherweise. Denn im Grunde spielen beide Hormone bei Mann und Frau eine wichtige Rolle. Während das Testosteron bei beiden zu einer starken Erhöhung der Libido führt, spielt Estrogen eine untergeordnete Rolle. Allerdings lässt sich feststellen, dass Frauen während sie ovulieren, eine höhere Lust verspüren können, da zusätzlich der Östrogene Haushalt steigt.

Für einen kurzen Überblick, fasse ich das noch einmal kurz zusammen.

Lust → Sex Hormone → gesteuert aus der Körpermitte

Anziehung → Dopamin → Hypothalamus

Verbundenheit → Oxytocin/Vasopressin → Hypothalamus

ABER: Bei allen drei Phasen spielen vor allem drei Hirnregionen eine wichtige Rolle. Der präfrontale Kortex, die Hypophyse und der Hypothalamus. Leider Gottes sorgen die Hormone aus Phase 1 und 2 dafür, dass der präfrontale Kortex eine weniger wichtige Rolle spielt – und der steuert leider unserer rationales Denken. (Hups.!)

Anziehend… nicht ausziehend. ANZIEHUNG!

Die Anziehung ist ein sehr ähnliches Phänomen. Während wir meistens Lust für jemanden verspüren, den wir auch attraktiv und anziehend finden – und vice versa – KANN jede Phase auch unabhängig voneinander auftreten. Während wir eine gewisse Anziehung verspüren, flitzen viele kleine Autos auf dem Gehirnstraßen, welche für die Belohnung zuständig sind.

Jetzt kommt Dopamin ins Spiel, welches, wie wir ja alle wissen, im Hypothalamus produziert wird. Der Hypothalamus ist der die Schlüsselfigur und sorgt immer dann für eine hohe Ausschüttung von Dopamin, wenn wir etwas tun, dass wir gerne tun oder sich gut anfühlt – im Grunde also immer dann, wenn wir Zeit mit einem Menschen verbringen den wir mögen, oder wir eben Sex haben. Während dieser Phase spielt aber nicht nur Dopamin eine wichtige Rolle, sondern auch das Hormon Norepinephrin (Noradrenalin). Meist ist das Noradrenalin der Grund, warum wir so euphorisiert, energiegeladen und teilweise albern sind, wenn wir für jemanden sowohl Lust als auch Anziehung empfinden. Unlustiger Weise kann es aber auch zu Schlafstörungen und Appetitlosigkeit führen. Gehirnscans zeigen, dass diese Hirnregionen losfeuern, wenn wir Menschen sehen, die wir anziehend finden.

Fun Fact: In dieser Phase sorgen die Hormone dafür, dass die Ausschüttung von Serotonin gehemmt wird. Menschen mit einer diagnostizierten Zwangsstörung weisen die gleichen Messungen auf, wie Menschen die gerade frisch verliebt sind. Sachen gibts….

And IIIIIII will always looove yooooouuuuuu

Zu guter Letzt, die Verbundenheit – DER dominante Faktor in langjährigen Beziehungen. Während Lust und Anziehung eher exklusiv für ein romantisches Techtelmechtel sind, braucht Verbundenheit mehr. Verbundenheit braucht eine tiefgehende Freundschaft, ein behütendes Verhalten, Herzlichkeiten und viele weitere intime Momente & Gemeinsamkeiten. Die hier auftretenden Hormone sind Oxytocin und Vasopressin.

Das “Kuschelhormon” Oxytocin wird ebenfalls im Hypothalamus produziert und wird in großen Mengen beim Sex, bei der Geburt und beim Stillen ausgeschüttet. Diese Eigenschaften scheinen erstmal gar nichts miteinander zu tun zu haben, sind aber der Vorläufer tiefgründiger Beziehungen. Was dies aber ganz klar aufzeigt, ist die Wichtigkeit dieser drei verschiedenen Bereiche. Während wir mit unseren engsten Familienmitgliedern eine tiefe Verbundenheit spüren, haben die anderen zwei Phasen hier absolut nichts zu suchen.

Liebe tut weh

Herrlich. Diese rosarote Brille, ein Schloss aus Zuckerwatte und ein perfektes Bild der Liebe. Hormone werden wild verschüttet, wir fühlen uns super, zur Belohnung gibt es Sex und und wir fühlen uns wirklich mit der anderen Person verbunden. Doch irgendwie kann das doch noch nicht alles sein, oder? Liebe geht leider oft mit Eifersucht, irrationalem und unvorhersehbaren Verhalten einher. Dadurch resultieren dann die eher unschönen Gefühle und Launen. Es scheint als wären all diese Glücksbärchi-Hormone auch für diese negativen Seite der Liebe verantwortlich.

So kommt es leider häufig vor, dass wir abhängig von einer gewissen Dosis Hormone werden. Ein geläufiges Beispiel ist Dopamin. Wir im Artikel “Ist es Lust oder Liebe” bereits erwähnt, leuchtet bei einer Dopaminausschüttung die gleichen Areale im Hirn auf, die beim regelmäßigen Konsum von Kokain. Für fühlen uns dann quasi “high” von der Nähe und Zuneigung einer anderen Person. Anziehung macht also süchtig und sorgt bei einem Entzug für Eifersucht und führt zu unkontrolliertem Verhalten.

Gleichen gilt für das Hormon Oxytocin. Das Kuschelhormon oder Hormon der Verbundenheit sorgt dafür, dass wir nicht nur unsere Familie mögen, sondern zum Großteil auch nur Menschen, mit denen wir uns kulturell verbunden fühlen. Da Oxytocin zum Großteil eher im Hintergrund arbeitet, schleichen sich oft ganz unbemerkt rücksichtslose Verhaltensweisen in Beziehungen ein, da ein zu hoher “I feel Good”- Effekt für unseren Körper nicht kontrollierbar ist.

Des Rätsels Lösung

Irgendwie gibt es also doch eine Lösung für das Thema Liebe. Aber eben auch nur irgendwie. Denn es gibt noch so viele unbeantwortet Fragen, in einem Prozess, der irgendwie so einfach und dann doch so schwer ist.

Ich glaube, dass ich die Liebe niemals genau definieren kann, nicht mal auf den nächsten 10000 Seiten. Am Ende muss sich wohl doch jeder seine Form von Liebe selbst definieren.

Final kann man aber eines sagen:  Irgendwie kann die Chemie zwischen uns allen stimmen, wenn wir nur einmal daran arbeiten würden.

Leider spielen hier der steigende Narzissmus und die kommerzialisierung unseres Lebens eine entscheidende Rolle. Aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag….

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