Ist es Lust oder Liebe?

Lust oder Liebe: ein scheinbar unendlicher Kampf der Ungewissheit

Seit Anbeginn der Zeit lebt der Homo Sapiens nun auf der Erde und seit Anbeginn der Zeit scheinen wir zwei Prinzipien völlig misszuverstehen.

Ich möchte mir nicht anmaßen, dass ich ein allwissendes Verständnis für die Liebe und die Lust habe, aber ich möchte einfach mal meine Erfahrungen und meine Sicht der Dinge schildern. Vielleicht, ja vielleicht schaffe ich es, dass der ein oder andere sich in dem Text wiederfindet, ich eine Diskussion anrege oder einfach nur ein Umdenken.

Ich frage mich: Wenn wir die Liebe gar nicht verstehen, wie können wir dann wissen, ob wir wirklich verliebt sind/waren, und wenn wir das gar nicht wissen, wie können wir dann sicher sein, dass es sich nicht nur um Lust handelt?

Denn wie die Liebe selbst, fühlt sich Lust einfach unfassbar gut an. Irgendwie lässt es einen schweben, es schubst einen am Morgen voller Freude aus den Federn und es kribbelt links und rechts. Und doch, Liebe und Lust sind völlig unterschiedlich.

Dieser Beitrag ist nun Teil 1 meiner Blog Trilogie über die Liebe. In Teil 2 möchte ich über die Phasen der heutigen Beziehungen schreiben und in Teil 3 möchte ich noch einmal etwas näher auf die Liebe selber eingehen.

Vielleicht ist es ein Anfang, wenn wir damit beginnen und die Charakteristik von Lust und von Liebe einmal anzuschauen.

Lust empfinden wir vor allem in den frühen Stadien einer zwischenmenschlichen Beziehung und vor allem durch physische Reize und/oder Sex getragen. Da brauchen wir uns auch nichts vormachen – innere Werte hin oder her. So kann es vorkommen, dass du absolut nichts für dieses Mann übrig hast, ihn aber dennoch irgendwie unfassbar sexy und anziehend findest. Im Bett gibt es das größte Feuerwerk und ihr geht ab wie Schmitz Katze, aber außerhalb des Bettes scheint es irgendwie nicht so richtig gut zu funktionieren, das Interesse will nicht so richtig aufwachen.

Wenn wir Lust verspüren, dann sind wir wie auf Drogen. Es gibt dutzende wissenschaftliche Studien und Messungen, dass die gleichen Areale im Gehirn aufblinken, wenn wir Kokain konsumieren oder eben Lust verspüren. Du kannst einfach nicht genug von dem Typen bekommen.. aber irgendwie weißt du trotzdem überhaupt nichts von diesem Menschen. Das war bis jetzt einfach alles sehr oberflächlich, doch das ist “ok” für dich.

Und wenn es dann ernster wird, findest du dich plötzlich selbst auf einer Wolke 7 wieder oder du merkst, dass du einfach mal so gar nicht mehr von dieser Person willst. Vielleicht stellst du plötzlich fest, dass er an Depressionen leidet oder (Wert-) Vorstellungen einfach enorm auseinander driften. Dann nimmst du beide Hände in die Hand und rennst ratz fatz über den nächsten Berg.

Doch auf der anderen Seite, wenn es nun doch Liebe ist, dann bist du bereit diesen Menschen mit all seinen Fehlern zu akzeptieren, bis bereit Kompromisse einzugehen und dich selbst mehr zu hinterfragen. Auch wenn der Sex eine sehr wichtige Rolle spielt, so wird er in diesem Fall nicht das Fundament eurer Beziehung sein. Du genießt die Zeit mit ihm, die Zeit vergeht wie im Flug und trotzdem kannst du noch immer alles genießen, was du auch vorher so an Aktivitäten genossen hast. (Merken!) Es gibt immer eine Balance, die muss es geben.

So weit, so gut. Jetzt haben wir einen kurzen Überblick: Stellt sich ja jetzt irgendwie die Frage, ob Lust etwas Schlimmes ist?

Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich nur Lust empfinde?

Die Antwort die Frage liegt irgendwie auf der Hand, oder? Um genau zu sein, beginnen die meisten gesunden und langfristigen Beziehung mit einer riesengroßen Portion Lust. Es kommt eben drauf an, was man daraus macht. Solange man bereit ist, sich wirklich fallen zu lassen und tiefer in diese Beziehung einzutauchen, ist es auch möglich ein Fundament zu errichten auf dem beide aufbauen können. Idealerweise Weise habt ihr auch noch in 50 Jahren Lust aufeinander, egal durch wie viele gute und schlechte Zeiten ihr gemeinsam durch musstet.

Der einzige Moment, in dem ich die Konstellation Lust gegen Liebe nicht befürworte, ist der Moment in dem sich einer von beiden wissentlich verliebt und der andere dies gnadenlos ausnutzt, wohlwissend, dass man selbst niemals mehr für diese Person empfinden wird. Stell dir mal vor, dir würde das passieren. Also, immer schön fair bleiben, Eier in die Hand nehmen und ehrlich sein, bzw das Gespräch suchen.

Woher wir sowas (grundsätzlich) mit großer Wahrscheinlichkeit sagen können, darüber schreibe ich in Teil 3.  

Wie finde ich nun heraus, ob ich verliebt oder nur horny bin?

Tja, genau sagen kann ich dir das auch nicht. Aber ich versuche einmal dir 7 Anhaltspunkte mit auf den Weg zu geben, an denen du es vielleicht selbst erkennen kannst.

  1. Eure Beziehung besteht aus Sex

 Leck mich am Arsch. Der Sex ist einfach der absolute Hammer. Wahrscheinlich sogar der beste Sex, den ich je hatte. Dieser Fakt ist für einige schon vollkommen ausreichen, um zu denken, man sei bis über beide Ohren verliebt. Nein, dem ist nicht so, denn…

…vielleicht kennst du seine Lieblingsstellung, weißt aber nicht mal ob der andere Hunde mag.

…vielleicht kennst du all die kleinen Kosenamen, die ihr euch gebt, aber nicht mal seinen Nachnamen.

… ihr kennt jeden Zentimeter eures Körpers in aus auswendig, doch nach 3 Monaten kennt ihr nichtmal einen einzigen Freund des anderen.

Nun ja. Klar, es kann natürlich einfach noch zu früh sein, mehr über den anderen zu erfahren und sich dieses Gefühl der Schwerelosigkeit kaputt zu machen. Sex ist natürlich auch ein spannender und wichtiger Weg sich kennenzulernen. Butter bei de Fische, es gehört einfach dazu. Und wenn der Sex nicht rund läuft, ist das oft einfach ein Beziehungskiller. Sich nur auf den Sex zu stützen, kann nämlich auch ganz schön tricky sein. Biologisch bedingt, kann so aufgrund der Hormone und Pheromone eine emotionale Bindung entstehen, die sonst niemals entstanden wäre. Diese Verwirrung kann man umgehen, in dem man mit dem Sex einfach wartet. Oder es eben drauf ankommen lassen.. Safety first.

Wenn du der Versuchung widerstehen kannst und dann merkst, dass der Kerl ein kompletter Pfosten ist, dann kannst du froh sein, dass du nicht mit ihm im Bett warst. Oder dir eben selbst in Hintern beißen, dass du’s nicht viel früher getan hast.

Falls ihr bereits miteinander schlaft, dann mache dir doch einfach mal Gedanken darüber, ob du den anderen auch gern in deiner Nähe hast, wenn ihr nicht gerade Nackt durch die Wohnung flitzt.

2. Die physischen Reize des anderen, wiegen die Macken auf

Wieder liegst du die halbe Nacht wach und kannst nur an seinen Bizep denken. An seine Tattoos auf dem Bauch oder seinen harten Schwanz in deinem Mund. Du fantasierst darüber, wie du ihn verwöhnst. “Oh, ich sage dir, diese Arme, diese Haare…wie Art und Weise wie er mich berührt. Sein Atem stinkt bestialisch und er schreibt jedes dritte Wort falsch? Scheiß egal. Ich mein, guck dir seine Arme an!” …

Wenn die Lust wieder gegen die Liebe kämpft, dann fällt es uns leichter über Dinge hinweg zu sehen, die uns sonst eigentlich stören würden. Wir priorisieren die körperlichen Reize und lassen uns zu sehr davon leiten.

Er riecht fantastisch, aber er denkt ihm gehört die Welt.

Im Bett bringt er dich zu stöhnen, aber lacht scheußlicher als eine Hyäne.

Wir geraten schnell in die Situation, dass wir uns eine Traumwelt erschaffen, damit wir weiterhin an die körperlichen Reizen festhalten und die Probleme ausblenden können. Du beginnst über viele DInge hinwegzusehen, weil du ihn einfach nur auf körperlicher Ebene willst, Dinge, die eigentlich aber rot leuchtende Warnsignale für dich sein/sein sollten.

Nun, das hat aber wenig mit Liebe zu tun. Wenn wir uns verlieben, dann akzeptieren wir die Fehler oder Kleinigkeiten des anderen, ignorieren sie aber nicht völlig. Wenn wir lieben, dann sind wir uns all dieser “Schönheitsfehler” bewusst und lieben diese Person dennoch. Wenn wir Lust verspüren, dann begraben wir diese, verstecken sie, nur damit wir uns auf die körperliche Ebene konzentrieren können. EIn gewaltiger Unterschied.

Das mag immer für eine gewisse Zeit funktionieren. Aber nach einer Weile wird das Wolkenschloss sich auflösen und am anderen Ende des Tisches sitzt ein vermeintlicher Prinz, der mit vollem Mund über die ganzen Tisch brüllt. Glückwunsch, Barbie. Oder Ken…

3. Freundschaft übersprungen

Vielleicht sollten wir es mit einer guten Freundschaft versuchen, AUCH wenn wir uns daten. Vielleicht auch GERADE deswegen. Was meine ich damit? Verbringt Zeit miteinander und unternehmt Dinge, die ihr auch mit einem Freund machen würdet. Verzichtet auf stumpfe Dates, weil es so im Blockbuster von gestern Abend lief. Wenn ihr direkt aus dem Bett zu den neuen Schwiegereltern an den Weihnachtstisch hüpft, überspringt ihr diese Phase. Wenn wir diese Phase überspringen, dann gehen wir zwar etwas Ernstes ein, vergessen aber auf dem Weg die Hälfte.

Wir können, niemals, eine Beziehung erzwingen. Ich weiß, dass du den anderen unbedingt haben willst, doch wenn du all das aufgrund der Lust willst, dann muss ich dir leider sagen, dass das nicht funktionieren wird.

4. Du kannst dir nicht vorstellen, dich zu öffnen

Du bist bereit ihn deinen gesamten Körper entdecken zu lassen. Er hat dich an den intimsten Stellen geküsst, dich verführt, geleckt und es besteht kein Zweifel, dass er dich physisch zum Höhepunkt bringt – doch du kannst und willst ihm einfach nichts über dich erzählen. Deine Geheimnisse, deine Wünsche, Träume und dein Wunder Punkt, all das bleibt ihm verborgen.

DICKES, FETTES, ROTES NEIN!

Eine sich entwickelnde Beziehung bedarf eine Offenheiter beider Partner. Es ist zwingend erforderlich, dass wir auch die Probleme des anderen kennenlernen, um wirklich tiefere Einblicke in die Persönlichkeit des anderen zu bekommen. Ihr MÜSST also lernen Dinge PERSÖNLICH anzusprechen, auch Dinge, mit denen ihr euch unwohl fühlt. Du solltet über über Ängste sprechen, über eure Erfahrungen, oder sogar darüber, wir unwohl ihr euch fühlt über solche Themen zu sprechen.

Ich rede nicht davon, dass wir uns nach dem zweiten Date gleich gänzlich öffnen sollen, doch du solltest bereit sein den anderen sehen zu lassen, wer du wirklich bist – nicht nur im Schlafzimmer. Klassisches Beispiel, oder?

5. Ihr kennt euch ja eigentlich gar nicht

Sehr schön. Ihr dated euch nun schon eine ganze Weile und heute lernst du endlich seinen besten Freund/ihre beste Freundin kennen.

“Ich wette sie hat dir bestimmt schon 200 mal von Ben erzählt.”, sagte ihre Freundin.

“Mein Gott, hat er ihr Leben verändert. Sie ist seitdem ein ganz anderer Mensch.”

Äääähm… what? Wer zum Henker ist Ben? Warum weißt du nichts über diesen Ben, der das Leben deiner neuen Liebe für immer verändert hat? Und wer zum ***** ist Ben? Ihr Bruder? Ihr Stiefvater? Ihr Hamster oder ihr Hund?

Ein starkes Zeichen, dass Lust euch beieinander hält, ist die Tatsache, dass ihr eigentlich absolut nichts über einander wisst. Ihr betreibt Small Talk, redet übers Gym, über Food Bowls, darüber wer dein Netflix Sponsor ist und wie viele Tinder Dates ihr schon hattet – eben wie die meisten Menschen in unserer heutigen Netflix Gesellschaft (sorry, mein Lieblingswort). Tja, aber über Ben habt ihr noch nie gesprochen.

Wenn dich das stört, sprich es an. Öffne dich mehr, grabe tiefer, zeige ernsthaftes Interesse und stelle Fragen über das Leben, die Vergangenheit und die Zukunft.

6. Die “Passt schon- Beziehung”

Du bist an einem Punkt in deinem Leben, an dem du einfach nicht mehr alleine sein möchtest. Du bist wirklich bereit für die Liebe und bereit all deine Energie in diese Beziehung zu stecken… Aber du willst eigentlich keine Stunde länger mit ihm verbringen.

Und doch, irgendwie bleibt ihr zusammen.

Meine lieben Freunde, dass nenne ich unsere “Passt schon-Beziehungen”. Sehen wir mal davon ab, dass ich mir gerne eigene Bezeichnungen für alles mögliche ausdenke, ist es doch eine ziemlich passende. Entstanden natürlich durch unsere On-Demand-Netflix Gesellschaft. Wir erinnern uns: Können alles haben, was wir wollen, wann wir wollen, wen wir wollen…

Es gibt halt schon Dinge, die du an ihm toll findest. Seinen Bizeps, die Haare und seine Performance im Bett. Manchmal lächelt er auch ganz süß. Mehr nicht. Aber irgendwie reichts trotzdem, dass du bei ihm bleibst.

Ist wie’s ist: So richtig brutal kacke ist der Kerl nicht, aber der Brüller ist er auch nicht. Magie gibts nicht, aber passt schon.

Übrigens mein Nummer 1 Problem unserer heutigen Gesellschaft.

Wie auch immer. Wenn eure Beziehung beidseitig so funktioniert, ihr das geklärt habt und das für beide cool ist, dann ist es super. Will der eine mehr, solltet ihr euch gegenseitig davon befreien. Eigentlich noch viel wichtiger ist es, auch ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn du wirklich nach der Liebe suchst und bedingungslos geliebt werden willst, verschwendest du dann nicht auch deine Zeit? Du bist nicht single, also verweigerst du dir selbst die Möglichkeit, DIE EINE Person zu finden.

Es wäre also besser allein zu sein, damit man sich auf die Liebe, statt auf die Lust konzentrieren kann.

Trennungsgrund? Kommt einem bekannt vor, oder?

7. Zukunftspläne? Fehlanzeige.

In 6 Monaten ist es soweit. Einer der Mädels heiratet endlich ihren Traummann. Und irgendwie würdest du ihn gerne mit dort hinnehmen. Ich mein, die letzten 7 Monate habt ihr miteinander geschlafen und es hat wunderbar funktioniert. Aber ob er mit möchte? Oder ob es ihn dann noch gibt? Ich mein, ist immerhin noch ein halbes Jahr…

Wenn wir wirklich verliebt sind, dann planen wir unsere Zukunft gemeinsam. Wir sind einfach so geschaffen. Wir planen zusammen und sehen eine gemeinsame Zukunft, ohne überhaupt darüber nachzudenken, dass es vielleicht bald vorbei sein könnte. Wenn wir lediglich von Lust getrieben sind, dann ist es ziemlich hart über den Tellerrand zu schauen und die nächste Hochzeit mit unserer Affäre zu planen.

Wenn du dir unsicher bist, ob es sich um Lust oder Liebe handelt, dann stelle dir selbst die simple Frage: Kann ich mir wirklich, also ganz ernsthaft, ohne mich selbst zu belügen, vorstellen, dass wir die nächsten 6 oder 3 Monate gemeinsam planen?

Wenn die Antwort “Nein” lautet, dann sieht es stark nach Lust aus.

Endspurt

Zu wissen, ob wir Lust oder Liebe spüren, ist extrem hilfreich für unsere Entscheidungen. Wir brauchen etwas, auf dem wir (ehrlich) aufbauen können. Wenn du wirklich mit dir selbst vereinbaren kannst, dass ihr etwas Lockeres habt, dann macht einfach weiter. Warum auch nicht. An Sex ist ja auch absolut nichts auszusetzen. Ich verstehe dass, auch wenn wir nach der großen Liebe suchen, gibt es Abschnitte, in denen uns etwas Leichtes und Lockeres einfach gut tut. Wenn du diese Phase von Herzen genießen kannst, sprecht miteinander, lernt wieder offen und direkt zu kommunizieren und lebt und liebt den Moment.

Auf der anderen Seite kann es passieren, dass wir feststellen, dass wirklich nur Lust statt Liebe verspüren. Auch dann sollten wir handeln. Wie sollen wir jemals unsere wahre Lieben finden, wenn wir mit einem anderen Menschen spielen oder wir nicht ehrlich zu uns selbst sind?

Jetzt kommts: Mache dir deine Ziele bewusst und passe dein Handeln dementsprechend an.

In diesem Sinne,

Cheers

Alex

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